Nach 12 Jahren war ich wieder einmal in Amerika. Manchmal habe ich hier auf dem Balkan von dem offenen Umgang der Menschen geträumt, den ich dort erlebt habe, eine andere Gesellschaft als die bockige hier.
Ich war eingeladen worden zum 3.Oktober vom Deutschen Historischen Institut, um anlässlich des 18. Jahrestages der Wiedervereinigung zu sprechen.
Lange Zeit war ich nicht dort und erlebte einige Überraschungen.
Die erste war, wie die unendliche Schlange am Flughafen ruhig und ohne Murren ausharrte, um endlich durch die Passkontrolle zu kommen und wie man sich auf der anderen Seite sich nicht im Geringsten bemühte, die Wartezeit durch mehr Personal zu verkürzen.
Die zweite war, mit welcher Selbstverständlichkeit von mir ein Fingerabdruck genommen und ich fotografiert wurde.
Die dritte Überraschung war, wie durchreguliert das Land ist. Jeder fühlt sich als kleiner Polizist. Am deutlichsten wurde das beim Rauchen. Selbst im kleinsten Park wird man verfolgt und wie ein Kinderschänder behandelt. Die Zigarettenproduktion ist nur für Asien bestimmt, sagte man mir. Aber heimlich zu Hause raucht man natürlich, wenn auch nur im eigenen Garten, damit eventuelle Gäste nicht ahnen, dass man zu den Schwachen gehört.
Eine weitere Überraschung war, dass fast jedes Produkt "Made in China" ist.
Dann noch ein riesiges Fest am Abend in der Deutschen Botschaft! Ein paar tausend Gäste und dabei gar kein runder Geburtstag.
Ich habe natürlich daran gedacht, wie viele Dächer ich dafür in Bosnien bauen könnte.
Irgendwie war ich froh, nach drei Tagen wieder hier gewesen zu sein.