Mai 2006
 

[Berichte] - 29.09.2006

Was ich in 24 Stunden – in diesem Fall vom Abend des 25. zum Abend des 26. September - in Deutschland erlebt habe,
scheint mir wie ein Sinnbild für den Zustand unserer Gesellschaft zu sein.

Wir befinden uns zwischen Himmel und Erde, zwischen den guten Vorsätzen, die wir für unser Leben und für die Gesellschaft treffen und dem schnellen Beugen vor den Konflikten, die in eben dieser vorhanden sind.


 

Am Abend des 25.09. habe ich in Kiel den Hermann-Ehlers-Preis in Empfang genommen.

Mit ihm ist mein politisches Engagement für „die Entstehung des demokratischen Prozesses in der damaligen DDR“ gewürdigt worden. Ich habe ihn gern entgegengenommen, vor allem da ich weiß, dass mein Name nur ein Synonym für all diejenigen ist, die 1989 den Aufbruch in eine neue demokratische Gesellschaft gewagt haben. Solange an einen gedacht wird, sind all die anderen noch nicht ganz vergessen.

Meine Rückfahrt nach Berlin unterbrach ich in Hamburg und nahm an einem Gespräch mit Waltraut Schälike über ihr Erinnerungsbuch "Ich wollte keine Deutsche sein" teil. Es handelt von ihrem Leben als Kind deutscher Kommunisten in der Sowjetunion in der Zeit von 1931-1946. Auch die Zeit der „Säuberung“ und die Reaktionen der Erwachsenen auf die Verhaftungen und das Verschwinden vieler Menschen gingen nicht unbemerkt an ihr vorüber. Es gab viele Fragen. Die wichtigste, wie man Terror und Unterdrückung von Menschenrechten verhindern kann, blieb weitgehend offen. Vielleicht aus Zeitmangel, eine Stunde ist ja nicht lang. Ein Teil der Antwort liegt natürlich in dem Gespräch und dem Buch selber. Nicht schweigen, die bohrenden Fragen immer wieder thematisieren und diskutieren. Aber das setzt einen angstfreien Diskursraum voraus.

Haben wir diesen Raum? Ich glaube JA.

Verteidigen wir ihn? Ich glaube NEIN.

Noch in der Nacht bekam ich eine Bestätigung als ich die Nachricht hörte, dass die Deutsche Oper die Mozartinszenierung des „Idemeneo“ aus Angst vor islamistischen Terroranschlägen abgesetzt hat. Die Angst hat den Mitarbeitern der Deutschen Oper der Berliner Innensenator vermittelt. Warum? Kann man nicht eine Opernaufführung genauso sicherheitstechnisch absichern wie die Fußballweltmeisterschaft oder den Staatsbesuch irgendeines Diktators?

Wenn man den angstfreien Diskussionsraum erhalten will, macht man das. Wenn man seine Macht stärken will, muss man Angst verbreiten. Angst verbreiten Terroristen. Warum verbreiten auch wir Angst?

Bärbel Bohley
25.07.06:
Zum Krieg:  Ich finde es so schrecklich, weil doch fast immer nur Unschuldige getroffen werden und die nächsten Terroristengeneration schon wieder in Sicht ist. Auch wieder nur Ausdruck des Versagens der Internationalen Gemeinschaft.

Geschäfte mit dem Iran, zu wenig Druck auf die Palästinenser, für Arafat den Friedennobelpreis usw. usw. Jetzt machen die Israelis eine blutige Abrechnung, die der Region bestimmt nicht mehr Frieden bringt. Ich sehe es ja an Bosnien, das ist auch kein Frieden, sondern nur ein Waffenstillstand, auf dem sich gar nichts aufbauen lässt.

24.04.06
Offener Brief an den Regierenden Bürgermeister von Berlin

* in Bearbeitung
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